Chronik
1948 – 1968 Die Ursprünge: Komitee zur Fortführung der Zusammenarbeit der Historischen Friedenskirchen in Europa: Antwort auf die Katastrophe des zweiten Weltkriegs
1948 - Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) mit der klaren Aussage "Krieg ist gegen den Willen Gottes".
Der nordamerikanische Fortsetzungsausschuss für die friedenskirchliche Zusammenarbeit strebt die Bildung eines entsprechenden europäischen Komitees an, um eine Gemeinschaft der Friedenskirchen zu entwickeln und mit den verfassten Kirchen in einen theologischen Dialog über Krieg und Frieden zu treten.
22. Februar, 5.-7. Mai und 2.-4. August 1949 - Auf Einladung von Dr. M. Robert Zigler, Church of the Brethren, finden die ersten Treffen in Genf, Présinge und Heerewegen statt. Britische Quäker und europäische Mitglieder des Internationalen Versöhnungsbundes (IFOR) schließen sich den Mennoniten und Church of the Brethren an. Die Bewegung, die sich später Church and Peace nennen wird, ist geboren.
1953 - Der Fortsetzungsausschuss veröffentlicht die Erklärung "Friede ist der Wille Gottes".
15.-19. August 1955 - “Die Herrschaft Christi über Kirche und Staat (Puidoux I)”
Der Europäische Fortsetzungsausschuss ist Mitorganisator eines ersten theologischen Dialogs, aus dem sich eine ganze Serie entwickelt: die "Puidoux-Konferenzen". Professoren etablierter Kirchen und friedenskirchliche Gelehrte debattieren die Beziehung von Ekklesiologie und Friedensethik.
1957 - Angesichts des Algerienkrieges rufen die französischen IFOR-Mitglieder André und Martha Tromcé und ÖRK-Generalsekretär Visser t'Hooft nach gewaltlosem christlichem Friedensbekenntnis.
12. August 1957 - Gründung von EIRENE Internationaler christlicher Friedensdienst, um die Friedenstheologie umzusetzen in die Praxis der Solidarität mit Marginalisierten und Unterdrückten.
2.-7. August 1960, Bièvres, Frankreich - Zum ersten Mal nehmen Theologen aus Osteuropa am Gedankenaustausch in Puidoux teil. Friedenskirchliche Kritik an der Symbiose von Kirche und Staat findet Nachhall bei den Vertretern von Kirchen aus kommunistischen Ländern.
Juli 1965 - Während der Puidoux-Konferenzen entstehen grundsätzliche Spannungen: Unterstützung militärischer Intervention als letztes Mittel oder kategorische Ablehnung von Gewalt? Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit als Individuum oder als Gemeinschaft bzw. Kirche? Eine kleinere Studienkomission wird mit weiteren Beratungen betraut.
1968 – 1975 Eirene Studies and Liaison - Wie sieht eine Friedenskirche aus?
1968 - Der Europäische Fortsetzungsausschuss historischer Friedenskirchen wird umbenannt in “Eirene Studies and Liaison”. Weitere Studien und Dialoge betonen die Verbindung zwischen Friedenstheologie und gewaltlosem Friedenszeugnis. Eine Schlüsselfrage: Welche konkrete Gestalt muss Friedenskirche und -gemeinde annehmen?
1969 - Bienenberg, Schweiz - Als Reaktion auf die Studentenunruhen organisiert Eirene Studies and Liaison eine europäische Jugendkonferenz. Die TeilnehmerInnen beschäftigen sich mit Möglichkeiten des "Dritten Weges" als Alternative zu Resignation oder gewaltsamer Revolution angesichts sozialer Ungerechtigkeiten. Aus den Gesprächen wird klar, dass Kirche konkrete Gemeinschaft in Gebet und Aktion sein muss.
1973 - Der mennonitische Theologe John Howard Yoder sieht Lebensgemeinschaften und ähnliche Gruppen innerhalb der Kirchen als Partner für einen neuen friedenskirchlichen Dialog in Europa.
1975 – 1983 “Church and Peace” - Auf der Suche nach Spuren und Ansätzen friedenskirchlicher Existenz
Juni 1975 - Malteserhof bei Bonn - Zusammenkünfte im Büro von Eirene Studies and Liaison ergeben einen Entwurf für ein Netzwerk aus Historischen Friedenskirchen, IFOR und friedenskirchlich orientierten Gruppen innerhalb der Großkirchen. Church and Peace beginnt sich auf die heutige Form hin zu wandeln.
1976 - Das bisherige Sekretariat von Eirene Studies and Liaison wird zur Church and Peace-Geschäftsstelle. Seine Aufgaben: die Fortsetzung der theologischer Reflexion und des Dialogs mit den etablierten Kirchen sowie die Entwicklung von Modellen für das Friedenszeugnis.
Wilfried Warneck wird Church and Peace-Koordinator. Er und seine Frau Ruth brechen auf zu Besuchen bei Gruppen und Gemeinschaften, die möglicherweise am Anschluss an das Netz interessiert sind.
17.-20. Februar 1977 - In Bendorf, Deutschland, findet die erste internationale Church and Peace-Begegnung statt. Trotz unverkennbarer Spannungen erkennen die TeilnehmerInnen ihre Gemeinsamkeiten und betonen die Notwendigkeit, von einander zu erfahren, wie jede der Gruppen als Friedenskirche lebt, und sich gegenseitig Impulse zu geben.
29. Juni 1978 - Vereinsgründung von Church and Peace als Zusammenschluss von "einzelnen Christen, von Kirchen und christlichen Organisationen, die unter den Kirchen für die Bejahung und Verwirklichung der Meinung eintreten, das Friedenszeugnis gehöre zu den Wesensmerkmalen der Kirche Jesu Christi.” (Satzung von 1978)
August 1978 - Skizzierung des Projekts "Zellen der Hoffnung". Ziel ist die Entsendung von Teams der Mitgliedsgemeinschaften zur Gewährleistung einer Präsenz von Gebet, gewaltfreier Aktion und Gastfreundschaft an Orten, wo der Frieden gefährdet ist.
15. Dezember 1980 - In Alkmaar, Niederlande, weiht Nobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel den “Pflugschar-Fonds“ ein. Dieser soll Einzelnen und Gemeinden die “Möglichkeit bieten, konkret daran mitzuarbieten, dass Kräfte und Mittel, die bisher auf Kriegsführung ausgerichtet waren, in Werkzeuge aktiver Friedensarbeit umgewandelt werden”.
1983 – 1990 Friedenskirche und Konziliarer Prozeß
1983 - Resolutionen der 6. ÖRK-Vollversammlung in Vancouver initiieren den Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (GFS).
Juni 1985 - Auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Düsseldorf setzt sich Church and Peace für die Idee eines weltweiten Friedenskonzils ein. Die Kirche muss die Ungerechtigkeit bekämpfen und durch Diakonie und Dienst Heilung der durch Ungerechtigkeit entstandenen Wunden anbieten.
18.-22. Juni 1986 - Braunfels, Deutschland - Die Erste Europäische Friedenskirchliche Versammlung ist die lebendige Verkörperung einer eucharistischen Friedensgemeinschaft. Ein weiteres Mal betont dieser Kongreß die zentrale Bedeutung aktiver Gewaltlosigkeit und stösst Kontakte mit den Christen im Ostblock an.
1986 - Das Netz des Fastens und Betens wird gebildet.
15.-17. April 1988 - Die Church and Peace-Mitgliederversammlung in Heverlee, Belgien bestimmt die Entwicklung eines "Friedensdiakonats" als Priorität für das Netzwerk.
6.-12. August 1988 - Zusammen mit IFOR, Pax Christi International und den franziskanischen Arbeitsgruppen für GFS organisiert Church and Peace den Europäischen Ökumenischen Dialog für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in Assisi. Kontakte mit römisch-katholischen und vorreformatorischen Gruppen (darunter die Franziskaner und die Waldenser) werden intensiver.
15.-21. Mai 1989 - Erste Europäische Ökumenische Versammlung in Basel. Eine auf der Church and Peace-Mitgliederversammlung im April 1989 formulierte Botschaft wird zur Basis für ein friedenskirchliches Minderheitenvotum, das bei den Delegierten der Versammlung große Unterstützung erfährt. Church and Peace organisiert während der Versammlung ein sogenanntes “Peace House".
1990 – 1999 Regionalisierung und Schalom-Dienste
März 1990 - Während der Weltkonvokation des Konziliaren Prozesses in Seoul initiiert Church and Peace einen täglichen friedenskirchlichen Besprechungskreis. Das Schlussdokument der Konferenz betont die Verpflichtung auf aktive Gewaltfreiheit aus dem Evangelium im Einsatz für Gerechtigkeit und Befreiung. Es ruft auf, einen weltweiten Diakonat für den Frieden zu entwickeln.
Neunziger Jahre: Die Bemühungen um die Aufrechterhaltung der Kontakte und die Umsetzung von Projekten auf lokaler und regionaler Ebene führen zu einer Teilregionalisierung des Church and Peace-Netzwerks.
Herbst 1990 - In Straßburg, Frankreich wird ein Regionalbüro eröffnet.
12.-14. Oktober - In Leipzig findet die erste internationale Konferenz im ehemaligen Ostblock statt. Der Kontakt mit der ungarischen Bokor-Bewegung entsteht.
März 1992 - Church and Peace ist intensiv beteiligt an der Gründung des Vereins “Oekumenischer Dienst im Konziliaren Prozess” zur Ausbildung und Begleitung von "Schalomdiakoninnen und -diakonen".
Dezember 1992 - In Genf wird die Kontaktstelle ökumenischer Dienste für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung eröffnet, entstanden aus der Arbeit der Organisatoren des Assisi-Treffens 1988. Sie informiert über Möglichkeiten für freiwillige Einsätze und führt ein Verzeichnis christlicher Freiwilligendienste weltweit.
27.-30. April 1995 - Ein Seminar mit TeilnehmerInnen aus Südosteuropa und die Internationale Konferenz in Pécel, Ungarn, spiegeln wachsende Verbindungen nach Ost- und Südosteuropa wider. Abgesandte des kürzlich vom ÖRK gestarteten Programms zur Überwindung von Gewalt nehmen an der Versammlung teil.
1997 - In Székesfehérvar, Ungarn wird ein Regionalbüro eröffnet.
14.-16. März 1997 – Die Europäische Friedenskirchliche Konsultation in Wetzlar formuliert ein Memorandum an die Delegierten der bevorstehenden Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung.
23.-29. Juni 1997 - Zweite Europäische Ökumenische Versammlung in Graz, Österreich. Church and Peace organisiert ein Peace House zusammen mit IFOR und Pax Christi International.
30. Juni - 4. Juli 1997 - Versammlung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK). Church and Peace tritt der KEK als assoziiertes Mitglied bei.
28.-30. Mai 1999 - Das fünfzigjährige Jubiläum von Church and Peace ist gekennzeichnet von fortwährenden NATO-Bombardierungen auf Serbien und Montenegro. In der Bienenberg-Erklärung bekennen sich die Teilnehmer als Friedenskirchen zu einer Ökumene, die Feindesliebe praktiziert und den Bedrängten zur Seite steht.
2000 .... Friedenskirchliches Zeugnis im 21. Jahrhundert
24.-29. April 2001 – Bei einem Seminar für FriedensarbeiterInnen aus Südosteuropa vor der Internationalen Konferenz in Elspeet, Niederlande wird das Entstehen eines Netzwerks in dieser Region deutlich.
1.-4. Mai 2003 - Erste Internationale Church and Peace-Konferenz in Südosteuropa an der Fakultät für evangelische Theologie in Osijek, Kroatien.
28. April - 1. Mai 2005 - Bei der internationalen Konferenz in Selbitz, Deutschland entschliessen sich die TeilnehmerInnen aus Südosteuropa zur Organisation einer Regionalkonferenz.
20.-24. September 2006 - Church and Peace ist Mitorganisator der ersten regionalen interreligiösen Konferenz in Südosteuropa auf der Insel Krk, Kroatien.
13.-17. Juni 2007 – Internationale Konferenz in Nordirland, bei der Corrymeela Community. Die Schlußbotschaft enthält die Verpflichtung der Friedenskirchen für wahre Sicherheit durch Verwundbarkeit einzutreten und für Gerechtigkeit auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene.
4.-8. September 2007 - Church and Peace veröffentlicht mit der Assisi-Koalition eine gemeinsame Botschaft und organisiert während der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Sibiu, Rumänien eine Anhörung zum Thema “Wahre Sicherheit”.
2008 - 2009 – Zwei Regionalkonferenzen und zwei Mitgliederversammlungen debattieren das UN-Konzept zur "Schutzpflicht" (Responsibility to Protect – R2P) und die Stellungnahme des ÖRK hierzu. Eine Erklärung der Mitgliederversammlung wird an den ÖRK gesandt. Eine internationale theologische Arbeitsgruppe erarbeitet eine friedenskirchliche Stellungnahme im Blick auf die Internationalen Ökumenischen Friedenskonvokation, die 2011 als Höhepunkt zum Ende der “Dekade zur Überwindung von Gewalt” stattfinden wird.