Laufdorf, 29.04.2026
„Wir brauchen eine Bewegung von Menschen für den Frieden“, sagte Jane Kinninmont, Geschäftsführerin der Vereinten Nationen (UN) Vereinigung United Kingdom (UK), bei einer gemeinsamen Friedenskonferenz in Milton Keynes bei London.
Church and Peace hat vom 24.-26. April 2026 eine gemeinsame Konferenz mit dem britischen Versöhnungsbund (FOR UK), der Anglikanischen Friedensfellowship (AFP), CHIPS (Christlicher Internationaler Friedensdienst) und Pax Christi zum Thema „Healing from Conflict“ – Heilungsprozesse nach Kriegs- und Konfliktgeschehen durchgeführt.
Jane Kinninmont wies in ihrem Vortrag zur UN und UN-Charta darauf hin, dass 80 Jahre Frieden eine Erfahrung von Menschen in der westlichen Welt, aber nicht weltweit sind. Der Global Peace Index 2025 stellt dar, dass die Rahmenbedingungen für den Weltfrieden seit 2008 auf dem niedrigsten Stand sind. 2,7 Billionen Dollar werden weltweit für Rüstung und Krieg ausgegeben. Das ist ein Vielfaches des Budgets der UN.
Die UN hat als Würdigung und Stärkung der Partnerschaften zur Friedenskonsolidierung erstmalig in 2026 die Woche vom 22.-26. Juni zur Woche des Peacebuilding erklärt. Damit mache sie deutlich, so Kinninmont, dass Frieden nicht nur vom Händeschütteln der Staatschefs abhängt, sondern ein Prozess ist, der von Bevölkerungen getragen werden muss und eine zivilgesellschaftliche Verankerung benötigt. Globale Friedenskonsolidierung ist mehr als der kurzfristige Einsatz für den Frieden in Palästina, Iran und der Ukraine, d.h. der Kriege, die derzeit in den Medien sind. Denn es gibt vernachlässigte Kriege, die einzubeziehen sind. Kinninmont wies auf die Krise der UN und die Politik einer multilateralen Weltordnung hin. Sie regte auch an, angesichts der Wahl einer*eines neuen UN-Generalsekretär*in für die Amtszeit ab Januar 2027 Briefe zu schreiben, um die Nominierung von Frauen zu fördern.
Martin Tiller, Vorstandsmitglied bei Church and Peace für das UK und Aktivist in der Christlichen Kampagne für nukleare Abrüstung (Christian CND) machte in einem Workshop zum Argumentationstraining gegen Nuklearwaffen darauf aufmerksam, dass 9 Staaten weltweit 13.000 Nuklearwaffen gehören. Er schloss damit an Jane Kinninmont an, die das Argument entkräftete, dass der Besitz von Nuklearwaffen mehr Sicherheit vor aggressiven Staaten böte. Sie sagte, dass im Konfliktfall ein Szenario durchaus sein könne, dass zwei Staaten auf eine nukleare Katastrophe zusteuerten (siehe auch die Stellungnahme des Vorstands von Church and Peace zum Bericht der Münchener Sicherheitskonferenz zu Europas „nuklearen Optionen“ und dem Konzept der Abschreckung: Der Showroom der Münchner Sicherheitskonferenz ).
Am Sonntag der Konferenz, am 26. April, jährte sich das Gedenken an Tschernobyl zum 40. Mal.
Siniša Klem, Vorstandsmitglied bei Church and Peace und baptistischer Theologe aus Kroatien, hielt einen Vortrag zur Geschichte von Kain und Abel (Gen 4,1-16) unter dem Titel „Ich bin Abel, aber Kain lebt in mir“. Wir sollten uns bewusst machen, so Klem, dass es „eine Tendenz gibt, das Böse zu tun, wenn wir uns Menschen allein als „neue Kreatur“, als etwas Besseres sehen und das Böse externalisieren.“ In diesem Sinne kritisierte er ebenfalls die grundsätzliche Bewertung von Staaten als gut und demokratisch sowie schlecht und autokratisch.
Methoden, um Heilungsprozesse anzuregen, wurden in Workshops ganz praktisch vorgestellt, z.B. ein kunsttherapeutischer Ansatz von Revd Canon Kate Massey, Coventry Cathedral und ein körperorientierter Ansatz von Rike Flämig, Refo Moabit, Berlin. Der Australier Rev. Nathanael Reuss sprach über „Trauma – Theologie“ und die Unterstützung Überlebender komplexer posttraumatischer Belastungsstörungen. Catriona Robertson brachte ein Fingerabdruck-Labyrinth für das Recht auf einen friedlichen Protest aus der Iona Community, Schottland, mit. John Cooper vom Versöhnungsbund (FOR) leitete einen Workshop zur Militarisierung des Glaubens und der Gesellschaft. Ana und Otto Raffay von RAND aus Kroatien sprachen über den Mut zum Frieden in kriegsähnlichen Zeiten, Marcellina Priadi von CHIPS über die Suche nach Frieden und Heilung in Darfur und Revd Girma Bishaw über das Schaffen eines Raums für Heilung mit Hilfe der Dankbarkeitsinitiative.
In einem Trauergedenken gedachten die Teilnehmenden der Konferenz der Friedensaktivist*innen, die gewaltsam ums Leben kamen wie Tom Fox, Christoljub Bozji Vegan, Michael J Sharp und Zaida Catalan und anderer, aber auch derer, deren Lebenswerk aus dem Engagement für Frieden bestand wie Jaap van der Sar und Wilfried Warneck. Es wurde für Lindsay und Craig Foreman gebetet, die im Iran lediglich Menschen kennenlernen wollten und daher aktuell inhaftiert sind.
Am Schluss der Konferenz lud Ulrike Flämig die Teilnehmenden ein, am Paecewalk teilzunehmen. Der Peacewalk ist eine 15-monatige gemeinsame Pilgerfahrt von Europa nach Jerusalem/Al-Quds: „Begleiten Sie uns für eine Stunde, einen Tag, eine Woche oder Monate – auf dem längsten Friedensweg der Welt, dem Jerusalem Way.“
https://peacewalk.info
Pressekontakt:
Anja Vollendorf, Vorsitzende von Church and Peace, 0170 3568204